Archiv für Januar 2016

22
Jan

Russische Literatur: „Sankya“

Zakhar Prilepin (geb. 1975), der Autor des Romans „Sankya“, ist einer der wichtigsten zeitgenössischen russischen Autoren, vielleicht der berühmteste seiner Generation.

In den 1990er Jahren stieß er zu den „Nationalbolschewiken“, einer radikalen bis extremistischen Gruppierung mit nationalistisch-egalitär-kommunistischen Idealen, die immer wieder mit spektakulären Aktionen versuchte, die Staatsm6acht bloß zu stellen. Im Protestwinter 2011/12 waren die Nationalbolschewiken eine der tragenden Säule der Opposition gegen den Kreml.*

Prilepin ist weiterhin Mitglied der seit 2005 verbotenen Nationalbolschewiken, gleichwohl hat er zahlreiche angesehene russische Literaturpreise gewonnen, renommierte Verlage veröffentlichen seine Bücher. Er arbeitet auch als Redakteur der Oppositionszeitung „Nowaja Gazeta“.

„Sankya“ ist ein Roman, der meines Erachtens nur in Russland spielen kann, nur von einem Russen geschrieben werden konnte. In gewisser Hinsicht hätte er auch vor 120 Jahren verfasst sein können. Die russische Kritik verglich Prilepin mit dem jungen Maxim Gorki. Es ist Zusammenstellung verschiedener Charakteristika und ihr Ausmaß, die „Sankya“ „typisch Russisch“ erscheinen lassen: die Radikalität, der Anarchismus, die Bereitschaft, Schmerzen zu erleiden und zuzufügen, die Brutalität, die Zärtlichkeit und Loyalität, der Mut, die Unbesonnenheit, der sehr hohe Wert, den die Ehre spielt, die Liebe zum eigenen Land und zugleich die Verzweiflung an der Realität. Und die Sehnsucht nach Erlösung, nach einer Vision.
„Sankya“ ist fern jeder Ironie oder modischem Zynismus. Prilepin ist ernst und unbedingt. Der (auch ins Deutsche übersetzte) Roman zeichnet selbstverständlich kein umfassendes Bild der russischen Gegenwart oder der 90er Jahre. Er ist einseitig. Darstellungen der Gewalt fand ich kaum erträglich. Auch die verbreitete Hoffnungslosigkeit macht „Sankya“ zu einer schwer verdaulichen Kost. Gleichwohl empfehle ich Ihnen die Lektüre dieses so sehr russischen und beeindruckenden Buchs.

 

Foto: http://zaharprilepin.ru/img/foto/fotoset/6.jpg

 

* Die Protestbewegung habe ich ausführlich analysiert, s. insbesondere http://www.cwipperfuerth.de/2012/02/21/umbruch-in-russland-eine-zwischenbilanz-folge-i/;

http://www.cwipperfuerth.de/2012/02/28/umbruch-in-russland-eine-zwischenbilanz-folge-ii-3/;

http://www.cwipperfuerth.de/2012/03/02/umbruch-in-russland-eine-zwischenbilanz-folge-iii/;

http://www.cwipperfuerth.de/2012/03/07/382/; http://www.cwipperfuerth.de/2012/03/12/umbruch-in-russland-unter-veranderten-vorzeichen-oder-sein-ende-teil-i/)

19
Jan

Republik Moldau – Das Drama geht weiter

Die Wirtschaftskrise wird schärfer und das Land bleibt in der Hand von Oligarchen. Versuche der Regierungsbildung bieten wenig Anlass für Hoffnung.

Moldau rutscht immer tiefer in die Krise. Die vorgeblich „pro-europäische“ Führung des Landes zeigt nur wenig Eifer den „Milliardenraub“ aufzuklären (s. http://www.cwipperfuerth.de/2015/12/16/politthriller-in-der-republik-moldau/). Eine Wirtschaftskrise vermindert die öffentlichen Einnahmen. Der Staat reagiert hierauf mit einer deutlichen Ausgabenkürzung, die Investitionen gingen 2015 bspw. um 69% zurück. Seit September gibt es Massenproteste. Im Spätherbst trat die Regierung zurück.

Präsident Nicolae Timofti nominierte im Dezember Ion Sturza für das Amt des Ministerpräsidenten. Sturza ist einer der reichsten Männer des Landes und gilt als Verfechter eines harten Kurses gegenüber Moskau und rascher Verhandlungen über eine EU-Aufnahme – die von Seiten Brüssels gar nicht zur Debatte steht. Sturza erhielt im Parlament jedoch keine Mehrheit. Ein weiterer daraufhin von Präsident Timofti ernannter Kandidat trat zur Abstimmung nicht an.

Vor kurzem nominierte das Staatsoberhaupt den Politiker Pavel Filip. Dieser ist Vizevorsitzender der vom Oligarchen Vlad Plahotniuc geführten Partei, die sich als „pro-europäisch“ bezeichnet. Plahotniuc und die Seinen haben Moldau in den vergangenen Jahren jedoch weniger geführt denn als Selbstbedienungsladen betrachtet. Die Chancen sind nicht hoch, dass sich dies ändert. Filip scheint sich die Unterstützung von 55 der 101 Abgeordneten gesichert zu haben. Im Vorfeld der letzten Wahlen gab es erhebliche Unregelmäßigkeiten. Zugunsten der vorgeblichen „Pro-Europäer“ (s. http://www.cwipperfuerth.de/2015/03/05/die-republik-moldau-ein-weiteres-land-zwischen-ost-und-west/). Neue Wahlen würden die alten Eliten wohl verlieren, sodass Filip vermutlich gewählt werden wird, denn wenn das Parlament nicht bis Ende Januar ein neues Kabinett bestätigt, sieht die Verfassung Neuwahlen vor.

Moldau braucht eine personelle Erneuerung, diese Ansicht vertreten auch die Teilnehmer der Massenproteste in Moldau unabhängig davon, ob sie „pro-europäisch“ oder „pro-russisch“ sind.

 

14
Jan

Radiobeitrag: Rückblick auf 2015, Ausblick auf 2016

Den knapp zehnminütigen Beitrag finden Sie hier: https://soundcloud.com/sputnik-de/2016-wird-uberraschungen-negativer-natur-bereithalten

Ein Gutes Neues Jahr uns allen, c novym godom!