Archiv für Oktober 2013

30
Okt

Afghanistan – was Russland für die Zukunft erwartet

Die Zeitung „Kommersant“ (verkaufte Auflage 115.000) gehört zu den Qualitätsblättern in Russland. Kommersant verfügt über gute Kontakte und bekam eine geheime Studie über die Zukunft Afghanistans nach dem Abzug der westlichen Truppen zugespielt, die für die Führung des Landes verfasst worden war. Zu den Autoren der Analyse gehörten u.a. führende Mitarbeiter des russischen Außen- und Verteidigungsministeriums.

Die Stellung der Taliban wird nach Ansicht der russischen Experten zunehmend stärker. Die Geheimverhandlungen der afghanischen Regierung und der USA mit dem bewaffneten Widerstand hätten bislang zu keinem nennenswerten Ergebnis geführt.

Es gebe drei Szenarien für die Zeit nach 2014: Die Islamisten könnten die Macht ergreifen, es gebe einen längeren Bürgerkrieg oder die afghanische Führung und die Taliban könnten sich auf eine Aufteilung von Einflusssphären einigen. Am wahrscheinlichsten sei die Realisierung des letztgenannten Szenariums.

Die Autoren sehen mit einer Zuspitzung der Situation in Afghanistan auf Russland erhebliche Risiken zukommen. Es bestehe die erhebliche Gefahr, dass bewaffnete Extremisten Zentralasien infiltrieren könnten.

Folie1

Zudem werde der Drogenhandel zunehmen. Nach offiziellen Angaben fallen dem Missbrauch mit aus Afghanistan kommenden Drogen bereits derzeit jährlich bis zu 30.000 Bürger Russlands zum Opfer.

Der Kreml ist dabei, sein Engagement zu verstärken, und Staaten Zentralasiens wenden sich in Sicherheitsfragen wieder verstärkt Russland zu. Russland und Tadschikistan haben beispielsweise die Verlängerung der Präsenz russischer Truppen bis zum Jahre 2042 vereinbart. Die Autoren der Analyse warnen jedoch, dass die Anstrengungen nicht hinreichend sein könnten: „Einheiten der regulären Streitkräfte werden es mit irregulären Kämpfern zu tun bekommen, die ein direktes Gefecht vermeiden werden und subversiv-terroristische Methoden anwenden werden.“ „Weder die UdSSR (in Afghanistan), noch die Russische Föderation (im Nordkaukasus), noch die Vereinigten Staaten (im Irak und in Afghanistan) waren in der Lage, in diesen Kriegen entscheidende Erfolge zu erzielen.“

Russland solle sich darum um eine Zusammenarbeit mit anderen Ländern bemühen. Chinas wirtschaftliche Expansion in Zentralasien wecke zwar Unbehagen, Peking sei jedoch ebenso wenig wie Moskau an der Stärkung radikalislamischer Tendenzen interessiert. Beide arbeiten mit Staaten Zentralasiens in der „Shanghai-Organisation“ auch in Sicherheitsfragen zusammen.

Die USA hätten kein Interesse an einem instabilen Afghanistan, fahren die Autoren des Berichts fort, denn dies könne auch die Atommacht Pakistan destabilisieren. Allerdings kann von einer Kooperation Russlands und des Westens hinsichtlich Zentralasiens bislang kaum die Rede sein, abgesehen vom Transit nach bzw. von Afghanistan.
Aber vielleicht stehen Änderungen an? Vor kurzem hat Qari Nasrullah, ein wichtiger Vertreter der Taliban, der englischen Zeitung „Mirror“ ein Interview gegeben. (http://www.mirror.co.uk/news/world-news/qari-nasrullah-taliban-interview-remarkable-2336834) Darin kündigte er nach dem Abzug der westlichen Truppen eine Rückkehr der Islamisten zur Macht an.

Mohammed Omar werde das Land wieder führen. Er w503DB933-CBA5-40D8-82EF-621E8B57FA4E_mw800_sar bereits von 1996 bis 2001 faktisch Staatschef Afghanistans.. Seitdem hält er sich versteckt, vermutlich in Pakistan mit Unterstützung des dortigen Geheimdienstes.

Quellen:

Karte: http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Juhan; http://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons; http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/de/deed.en

Foto: http://www.rferl.org/content/deciphering_mullah_omar_message/24316153.html

 

23
Okt

Internetfreiheit in Russland?

Das russische Internet wächst weiter unverändert stark. In den kleinen Gemeinden wird das weltweite Netz bei weitem nicht so stark genutzt wie in den Millionenstädten. Aber in einem Dorf nutzt heutzutage ein ebenso hoher Anteil der Bevölkerung das Internet wie in Moskau oder St. Petersburg vor vier oder fünf Jahren! Derzeit gehen 45% der erwachsenen russischen Bevölkerung täglich mindestens einmal ins Netz.

Folie1

Die  Bedeutung des Internets ist enorm, und folglich auch die Frage, inwiefern das Netz reguliert oder kontrolliert werden sollte. „Die Welt“ titelte am 21. Oktober 2013: „Putin schafft den digitalen Überwachungsstaat“. Die Zeitung fuhr fort: „Der russische Geheimdienst FSB soll per Gesetz völlige Internetkontrolle erhalten.“ Gewürzt wird der Artikel mit dem Foto eines waffentragenden Wladimir Putin. (http://www.welt.de/121078140) Auch andere Medien haben auf Seite 1 über das Thema berichtet, wenngleich meist nicht so gefühlsschwanger und verzerrend wie „Die Welt“.

Die Artikel in den deutschen Medien stützen sich auf einen Bericht der russischen Zeitung „Kommersant“. Demnach sollen ab dem 1. Juli 2014 alle Internetprovider dazu verpflichtet werden, den gesamten Internetverkehr ihrer Nutzer für mindestens 12 Stunden zu speichern.

Das russische Telekommunikationsministerium erklärte, Geheimdienste würden ohne Gerichtsbeschluss keinen Zugang zu diesen Daten erhalten. Nun ja. Es kam bereits mehrfach vor, dass Emailverkehr oder Telefonmitschnitte veröffentlicht wurden, um bestimmte Oppositionelle zu diskreditieren. Die Hintermänner der Enthüllungen sind unklar.

Die USA spielen jedenfalls in einer ganz anderen „Überwachungsliga“ als Russland. US-Geheimdienste sind, anders als in Russland, nicht darauf angewiesen, dass Internetprovider für sie sammeln, sie tun es selbst. In einem unglaublichen Ausmaß. Derzeit nähert sich im US-Bundesstaat Utah ein Datenzentrum seiner Fertigstellung, das voraussichtlich 20 Terabytes pro Minute speichern kann.

Stitched Panorama

Dies ist deutlich mehr als der Datendurchsatz im weltweit größten Internetknoten in Frankfurt am Main. Die komplette Überwachung und Speicherung der weltweiten Kommunikation durch US-Dienste rückt näher. Dies macht Überwachungstendenzen in Russland nicht besser, aber ein Vergleich ist mitunter ganz nützlich. Ich möchte die USA nicht zum Bösewicht stilisieren. Russische Geheimdienstler, und nicht nur sie, besäßen mit Sicherheit gerne die Mittel ihrer US-Kollegen. Aber ist das eine hinreichende Rechtfertigung dafür, dass die USA faktisch Wanzen in hunderte Millionen Büros und Wohnungen weltweit installiert haben? Dies verletzt die Privatsphäre und könnte der Wirtschaftsspionage dienen.

Das große russische Telekomunternehmen „VimpelCom“ soll nach dem Bericht des „Kommersant“ übrigens eingewandt haben, eine umfassende Datenspeicherung verletze mehrere Artikel der russischen Verfassung bzw. bestehende Gesetze. (Der Vorsitzende von „Gerechtes Russland“ in der Duma, Sergei Mironow, ist ebenfalls dieser Ansicht.) Ob VimpelCom sich genötigt sehen wird, seinen Dienst einzustellen? In den USA haben sich jedenfalls zwei bedeutende Email-Anbieter selbst abgeschaltet, weil sie mit US-Geheimdiensten nicht im gewünschten Umfang zusammenarbeiten wollten.

Quellen:

Graphik erstellt nach: http://runet.fom.ru/Proniknovenie-interneta/11067

Foto: http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Swilsonmc; http://en.wikipedia.org/wiki/de:Creative_Commons; http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

 

21
Okt

Weltausstellung 2020 in Russland?

Hannover 2000, Shanghai 2010, Mailand 2015 – und Jekaterinburg 2020? Die Hauptstadt des Ural hat sich im Juni 2013 offiziell für die Austragung der Expo beworben.ekaterinburg-expo-2020-logo-600x466 Die Weltausstellung in Jekaterinburg wird sich den positiven und negativen Aspekten der Globalisierung widmen. Es gibt aber starke Mitbewerber: Izmir, Sao Paulo und Dubai. Im November wird die Entscheidung fallen, welche Stadt die bis zu sechs Monate dauernde Expo austragen wird. Arme Länder stellen 60 Prozent der Stimmberechtigten beim Votum über die Kandidaten. Russland bietet etwa 90 Entwicklungsländern an, kostenlos Ausstellungshallen zu errichten und zu unterhalten.

Falls die russische Stadt den Sieg davon trägt, werden 2 Milliarden US-Dollar investiert, die sich aber rasch amortisieren sollen. Der Großteil des Ausbaus der Infrastruktur Jekaterinburgs wurde in den vergangenen Jahren bereits getätigt: 2018 werden Spiele der Fußballweltmeisterschaft dort ausgetragen. Es müssten also vor allem noch die Ausstellungshallen gebaut werden.

0yjgos0d5q4_Size960x640

Der Flughafen Jekaterinburgs (Kolzowo) wird unter den weltweit fünftbesten geführt, allerdings in der Kategorie derjenigen mit bis zu 4 Millionen Passagieren. Das weltweit bedeutende Flugkreuz Dubai zählt hingegen fast 60 Millionen Fluggäste jährlich. Der vielleicht stärkste Mitbewerber der russischen Stadt ist somit klar im Vorteil. Bislang gibt es beispielsweise nur einen Direktflug von Frankfurt nach Jekaterinburg. Da gibt es noch viel zu tun, damit die erwarteten 30 Millionen Besucher aus 150 Ländern in den Ural gelangen können. Dubai ist gegenüber Jekaterinburg auch klimatisch begünstigt. (Mir persönlich wäre es dort zu heiß. Aber das ist wohl eine Minderheitenposition.)

Andererseits ist Jekaterinburg aufgrund seiner langen Tradition als Wissenschafts- und Industriestandort gegenüber dem Emirat im Vorteil. Und vielleicht spielen bei der Vergabe auch menschenrechtliche Fragen eine Rolle? 85% der Einwohner Dubais sind Ausländer, die unter oft fragwürdigen Bedingungen fast die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes erbringen. Im benachbarten Emirat Katar wird 2022 die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen. Im September wurde bekannt, dass fast täglich nepalesische Gastarbeiter aufgrund der brutalen Arbeitsbedingungen auf den Baustellen zu Tode kommen.

Jekaterinburg kann sogar als Muster der politischen Öffnung gelten: Roizman_Eugene Am 9. September wurde der Bürgerrechtler Jewgeni Roisman zum Bürgermeister gewählt. Sein wichtigster Gegenkandidat von der kremlnahen Partei „Einiges Russland“ unterlag. Roisman wurde durch seinen unerbittlichen Einsatz gegen den Drogenhandel und –missbrauch bekannt. Die Verbreitung von Rauschgiften ist wahrhaft eines der schlimmsten negativen Folgen der Globalisierung.

In wenigen Wochen wissen wir, welche Stadt 2020 den Blick der Welt auf sich ziehen wird. Klar, wem ich die Daumen drücke.

Quellen:

Blick auf Jekaterinburg:

http://expo2020.ru/cached_image/0yjgos0d5q4_Size960x640.jpg

Roisman:

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Roizman_Eugene.jpg

 

20
Okt

Kolumne Dornfeldt – Die Wirtschaftsentwicklung Aserbaidschans

Eines der Hauptziele der Regierung Aserbaidschans in der vergangenen Dekade stellte die Verankerung der nationalen Volkswirtschaft in die Weltwirtschaft dar. Seit der Unterzeichnung des „Vertrags des Jahrhunderts“ im September 1994 in Baku, als der damalige Präsident Hejdar Alijew Energieunternehmen aus allen Teilen der Welt dazu einlud, an der Ausbeutung der fossilen Energieträger Erdöl und Erdgas des kaspischen Landes mitzuwirken, erfolgte eine komplette Öffnung gegenüber internationalen Investoren und eine intensive Integration moderner Technologien im sekundären Sektor der Wirtschaft Aserbaidschans. Die Umsetzung dieser Strategie in der vergangenen Dekade führte letztlich dazu, dass sich der Staat zu einem attraktiven und modernen Wirtschaftsstandort in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und speziell im südlichen Kaukasus entwickelt hat. Seit dem „Startschuss vom Bakuer Jahrhundertvertrag“ wurden bis zur ersten Hälfte 2013 über 143 Milliarden USD in die Wirtschaft Aserbaidschans investiert, wobei die Hälfte von ausländischen Investoren geleistet wurde.[1] Allerdings sinkt nun die Quote von Investitionen aus dem Ausland kontinuierlich, da inländische Investitionen eine immer größere Rolle spielen.

Folie1

Die wirtschaftliche Entwicklung Aserbaidschans in den letzten zehn Jahren hat eine äußerst positive Tendenz zu verzeichnen. Das Geschäftsumfeld hat sich in der letzten Dekade stetig verbessert. Seit 2005 ist die Kaspi-Republik auf dem Gebiet des Wirtschaftswachstums global führend und 2007 war es die weltweit am schnellsten wachsende Volkswirtschaft. Zwischen 2000 und 2010 erreichte die Aserbaidschanische Republik zahlreiche beeindruckende Meilensteine: Die Realwirtschaft vervierfachte sich und das Exportvolumen veränderte sich um das 15-fache. Außerdem erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 1995 bis 2010 um das Fünffache.

Das Weltwirtschaftsforum Davos stufte das Land 2010 als die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft auf dem Gebiet der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) ein. Zudem wurde Aserbaidschan von dieser Institution als der führende Staat der GUS im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie eingestuft. 2011 nutzten 65 Prozent aller Einwohner des Landes das Internet und heute sind es 70 Prozent der Bevölkerung. Im Doing Business Report 2007/2008 der Weltbank wurde das Land im Südkaukasus als der reformfähigste Staat kategorisiert. Allerdings ist die weitverbreitete einheimische Korruption eine große Herausforderung für die zukünftige erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung.[1]

Die Wachstumsrate im Nicht-Öl-Sektor betrug 2012 zehn Prozent. Das hat auch damit zu tun, dass bereits der peak oil, also das Maximum der Erdölförderung, 2010 erreicht wurde.[2] Dabei ist anzumerken, dass 2013 der Öl-Sektor immer noch einen Anteil von 44 Prozent an der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht. 75 Prozent der Einnahmen des Staates kommen aus diesem Wirtschaftssektor.[3] Es ist hierbei anzumerken, dass sich mittlerweile die Wirtschaftsleistung zwischen dem Zentrum und der Peripherie langsam annähert.

Aserbaidschan erweiterte auch seine Wirtschaftsbeziehungen zu den Staaten Zentralasiens und engagiert sich beim Wiederaufbau der Wirtschaft Afghanistans. In der nordafghanischen Provinzhauptstadt Mazar-i-Sharif wurden 30 Millionen USD in den Neubau einer Raffinerie investiert. Zudem gibt es aserbaidschanische Auslandsinvestitionen im Midstream-Sektor (Raffinerien) in Kirgistan und Tadschikistan. Bezüglich der Türkei konzentriert sich das wirtschaftliche Auslandsengagement auf einen petrochemischen Komplex in der Stadt Izmir sowie auf das Pipelineprojekt TANAP.

Der Energie- und Rohstoffsektor

Bereits zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert wurde in Aserbaidschan, damals noch Teil des Kaiserreiches Russland, fast die Hälfte der globalen Erdölproduktion gefördert. Baku wurde zu einer der kosmopolitischsten Städte, die Unternehmer, Künstler und Wissenschaftler aus aller Welt anzog. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR hatte das kaspische Land erstmalig in seiner Geschichte die Verfügungsgewalt über seine energetischen Rohstoffe, die sich auf seinem Territorium on und off shore befinden. Bereits zu Zeiten der Sowjetunion zeigten westliche Energiekonzerne, wie British Petroleum (BP) 1989, Interesse an der Ausbeutung des Azeri-Chirag-Gunashli Erdölfeldes. Der zweite Präsident des Landes Albufaz Eltschirbey suchte Anfang der 1990er Jahre aktiv Kontakt zu westlichen Erdölunternehmen, mit der Absicht, Firmen aus der Russischen Föderation und dem Iran von der Förderung in seiner Heimat fern zu halten. Die staatliche Petroleum Firma SOCAR wurde 1992 gegründet, um die Ausbeutung der fossilen Energieträger im Land zu koordinieren.[4]

Die nachgewiesenen Erdgasreserven betragen drei Billionen Kubikmeter. Das geschätzte Volumen der Ressourcen liegt aber deutlich höher. Die bedeutendste bekannte Produktionsquelle des Landes ist das Shah Deniz Feld. 2010 wurden dort 28 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert, wovon 18 Milliarden Kubikmeter in die Nachbarstaaten exportiert wurden.

2018/19 wird die zweite Produktionsphase des Shah Deniz Feldes beginnen. Im Juni 2013 wurde entschieden, dass die Gasleitung vom Kaspischen Meer in die EU über die TANAP und die Trans Adriatic Pipeline (TAP), die erst durch die Türkei und dann über Griechenland, Albanien in das süditalienische Brindisi führt, gebaut werden wird. Getroffen wurde sie von einem Konsortium, das von den Energiekonzernen British Petroleum und Statoil (je 25,5 Prozent) angeführt wird, das die Erdgasvorkommen von Shah Deniz II fördert. Das Rennen um die Lieferung von kaspischen Gas nach Europa verlor die Erdgasleitung Nabucco West, ein von der EU unterstütztes Projekt, das durch Südosteuropa bis zum österreichischen Gas-Hub Baumgarten führen sollte. Ab 2018 fließen 16 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus dem Aserbaidschan in die Türkei und nach West- und Südeuropa über die 800 Kilometer lange und 1,5 Milliarden Euro teure Gasleitung, genannt TAP-Trans Adriatic Pipeline. Trans_Adriatic_Pipeline

Darüber hinaus geht das staatliche Petroleum Unternehmen der Republik Aserbaidschan SOCAR davon aus, dass mit der Exploration und Ausbeutung weiterer Erdgasfelder die jährliche Produktion bis zum Jahr 2020 auf 50 bis 70 Milliarden Kubikmeter Erdgas gesteigert werden kann. Davon stehen dann 40 Milliarden Kubikmeter für den Export zur Verfügung. Bei den anderen Gasfeldern, die derzeit entwickelt werden, handelt es sich beispielsweise um das Umid Feld. Wissenschaftliche Untersuchungen haben belegt, dass es dort Erdgasvorkommen in Höhe von 200-250 Milliarden Kubikmeter gibt und es kann davon ausgegangen werden, dass sich das Volumen nach weiteren Bohrungen noch erhöhen wird.

Energiepolitik seit 1994

Die mittel- bis langfristige Energiestrategie der Regierung Aserbaidschans beinhaltet den Ausbau des Erdgassektors, um die schrumpfende Erdölproduktion auszugleichen.

Trotz der hohen Vorkommen an Erdöl und Erdgas betreibt die Regierung in Baku eine Politik der Diversifizierung der Wirtschaft, damit auch für zukünftige Generationen der nationale Wohlstand gesichert bleibt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung der Sektoren Bauwirtschaft, Informationstechnologie, Erneuerbare Energien, Metallurgie, Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Tourismus und dem Bankensektor.[5]

Der Nationale Petroleum Fonds der Republik Aserbaidschan SOFAZ15, der den Wohlstand des Landes in der Zukunft nach norwegischem Vorbild[6] sichern wird, unterstützt den Ausbau der anderen Wirtschaftssektoren, beteiligt sich an der Armutsbekämpfung im Lande, wirbt für ausländische Direktinvestitionen, stärkt Institutionen des Marktes und stellt die makroökonomische Stabilität der Volkswirtschaft sicher. Darüber hinaus hält der Fonds Mittel bereit, die im Falle der friedlichen Lösung des Berg-Karabach Konfliktes zum Wiederaufbau des Gebietes und der umliegenden sieben Bezirke dienen soll. Die Kapitalinvestments des Fonds, analog zum Petroleum Fonds Norwegens, dürfen nicht im Inland wegen der Inflationsgefahr, sondern nur im Ausland getätigt werden und unterliegen hohen ethischen Standards.

Der Wert der Anteile von SOFAZ steigt kontinuierlich an und umfasste im August 2013 ca. 50 Milliarden USD. Des Weiteren stiegen die strategischen Währungsreserven Aserbaidschans Anfang 2012 auf über 43 Milliarden USD. Diese Reserven übersteigen um das Fünffache die Importe des Landes und ermöglichen ein hohes Niveau an ökonomischer Sicherheit und Solvenz. SOFAZ ist zudem der stolze Gewinner der Auszeichnung für den Öffentlichen Dienst der Vereinten Nationen, der prestigeträchtigen internationalen Anerkennung für Fortschritte in den Bereichen Transparenz, Verantwortlichkeit und Korrektheit auf diesem Gebiet.

Der Human Development Index des Entwicklungsprogrammes der Vereinten Nationen (UNDP) stufte 2010 Aserbaidschan vom Index der mittleren Entwicklung zur Gruppe der Länder mit einer hohen menschlichen Entwicklung hoch. Das reflektierte die Bereitschaft Aserbaidschans, das „Schwarze Gold“ in die Entwicklung des Landes und der Humanressourcen sowie der Verbesserung der Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung zu investieren.

SOFAZ gesellschaftliche Verantwortung für die Ausbildung von einheimischen Nachwuchsführungskräften zeigt sich deutlich durch die Durchführung des „Staatlichen Programmes zur Ausbildung der aserbaidschanischen Jugend im Ausland im Zeitraum 2007-2015“. Die Studenten fokussieren sich in der Regel auf die Fächer Management, Wirtschaft, Medizin, Rechtswissenschaft, Informationstechnologien als Bachelor-, Master- und Promotionsstudenten an den besten Universitäten auf dem gesamten Erdball.[7]

Die Außenpolitik des Aserbaidschans wird stark durch die Förderung fossiler Energieträger im Inland und deren Exporte auf die Märkte beeinflusst. Daher kann von einer dominanten Energieaußenpolitik, wie im Falle anderer Petrostaaten, ausgegangen werden.[8]

Infrastrukturmaßnahmen für die bessere Anbindung an Okzident und Orient

Die einzigartige Lage des Aserbaidschans an der Kreuzung von verschiedenen bedeutenden internationalen Transportrouten, wie der Seidenstraße und der Nord-Süd-Passage machen das Land geostrategisch bedeutend. Die Kaukasusrepublik war und ist der Initiator von wichtigen lokalen Infrastrukturprojekten, wie der Erdölleitung Baku-Tbilisi-Ceyhan (BTC) und der Erdgasleitung Baku-Tbilisi-Erzurum (BTE), die signifikant zur Entwicklung und Kooperation in der Region des Südkaukasus beigetragen haben.

Derzeit werden vier wichtige Infrastrukturprojekte auf dem kaukasisch-eurasischen Transportsektor umgesetzt, die die bessere Anbindung der Kaukasusrepublik an die europäischen sowie westasiatischen Märkte sicherstellen soll.

Dabei handelt es sich erstens um die Fertigstellung der Eisenbahnverbindung Baku-Tbilissi-Kars, die für kommendes Jahr geplant ist und derzeit den Ausbau der Strecke um die georgische Stadt Achalkalaki mit Krediten der aserbaidschanischen Seite an Georgien vorsieht. Diese Ost-West-Strecke, die eine Transportkapazität von 17 Millionen Tonnen an Gütern pro Jahr haben wird, ermöglicht der aserbaidschanischen Wirtschaft den Zugang zum türkischen und somit auch europäischen Eisenbahnnetz. Eine wichtige Lücke im Bereich des internationalen Schienenverkehrs wird dadurch geschlossen.

Daran knüpft ein weiteres Großprojekt in der Türkei an, welches auch signifikante Auswirkungen auf den Aserbaidschan haben wird. Es handelt sich dabei um die partielle Untertunnelung einer Eisenbahnstrecke am Marmara-Meer in Istanbul von 76 Kilometer Länge, die den asiatischen Teil der Türkei mit den europäischen gewährleistet und somit die Anbindung an die europäische Schieneninfrastruktur deutlich verbessert.[9]

Das dritte bedeutende Infrastrukturprojekt ist der Bau des 400 Hektar großen Hafens an der Küste des Kaspischen Meeres in der Nähe der Stadt Aljat, die ca. 70 Kilometer südlich von Baku liegt. Die erste Bauphase wird 2015 abgeschlossen sein, was einen graduellen Transfer von technischer Infrastruktur des Hafens von Baku ohne größere Einschränkungen der maritimen Operationen ermöglicht. Nach Vollendung der dritten Bauphase wird der Hafen von Aljat der größte maritime Umschlagplatz von Gütern aus den Bereichen der nicht-fossilen Energieträger in der Region sein.

Das bedeutendste Projekt im Bereich des zivilen Luftverkehrs ist der Ausbau des internationalen Flughafens von Baku. Ein neues Terminal wird noch in diesem Jahr fertig gestellt, welches bis zu drei Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen kann.[10]

Ein weiteres Projekt, welches das derzeitige Verkehrschaos in Baku eindämmen soll, ist der Ausbau der Untergrundbahn. Die aserbaidschanische Hauptstadt wird heute von mehr als zwei Millionen Menschen bevölkert. Seriöse Schätzungen sagen eine Einwohnerzahl von knapp drei Millionen Bürgern im Jahr 2025 voraus. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt reisen auf den beiden, bereits bestehenden, Linien jährlich über 180 Millionen Passagiere. Deshalb wird die Metro auf insgesamt fünf Strecken ausgebaut.

Wirtschaftsbeziehungen zur Bundesrepublik Deutschland

Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Aserbaidschan und Deutschland haben sich in den letzten zehn Jahren positiv entwickelt. 2011 wurde eine hochkarätige Arbeitsgruppe für Handel und Investitionen ins Leben gerufen. Am 12. November 2012 wurde in Baku die deutsch-aserbaidschanische Außenhandelskammer (AHK) gegründet, die von Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle und seinem aserbaidschanischen Amtskollegen Elmar Mammadjarow am 14. März 2012 ins Leben gerufen wurde – die zweite nach Moskau auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Sie geht aus dem Deutsch-Aserbaidschanischen Wirtschaftsverband (DAWF) hervor, der seit 1999 im Lande aktiv ist und seitdem eng mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) sowie dem Deutschen Industrie und Handelskammertag (DIHK) und dem Centrum für Internationale Migration (CIM) kooperiert hat.

Immer mehr bilaterale Wirtschaftsbegegnungen und Konferenzen beleben den Handelsaustausch und die Investitionsfreudigkeit. In den verschiedenen Wirtschaftssektoren Aserbaidschans sind bereits mehr als hundert Firmen aus der Bundesrepublik Deutschland mittlerweile tätig.

Darüber hinaus können deutsche Unternehmen im Rahmen der Diversifizierungspolitik für die Wirtschaft des Landes, die den Nicht-Erdöl- und Erdgassektor betreffen, stark profitieren. Der südkaukasische Staat benötigt ausländische Investitionen, um die verarbeitende Industrie zu modernisieren, eine moderne Transportinfrastruktur zu errichten, die Kapazitäten für die Energieerzeugung und -verteilung zu erneuern und eine leistungsfähige Dienstleistungsgesellschaft zu errichten. Aber auch die Handelsmöglichkeiten sind für deutsche Unternehmen interessant, da die inländische Nachfrage nach Konsumgütern kontinuierlich steigt. Hierbei bieten sich auch für den deutschen Mittelstand große Chancen.[11]

Der bilaterale Handelsaustausch zwischen beiden Staaten erlebte in den letzten Jahren ein starkes Wachstum. Die deutschen Erdöleinfuhren aus der Aserbaidschanischen Republik steigen stetig. 2012 betrug der Export in die Bundesrepublik 2,15 Millionen Tonnen Rohöl. Somit war die Kaukasusrepublik der siebtgrößte Rohölimporteur für Deutschland.[12]

Zusammenfassung und Ausblick

Die Entwicklungen in der vergangenen Dekade haben gezeigt, dass sich die drei kaukasischen Staaten voneinander entfernen. Ein regionaler Integrationsprozess lässt sich nicht beobachten. Mehr als 80 Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes im Südkaukasus wird in Aserbaidschan erwirtschaftet.

Aserbaidschan, die regionale Wirtschaftsmacht mit seinem Ressourcenreichtum an fossilen Energieträgern und hohem Potential in anderen Wirtschaftszweigen unterhält als bedeutender Investor und Kreditgeber enge bilaterale interdependente Beziehungen mit Georgien, wo das Land bereits drei Milliarden USD investiert hat.

Der Kaspi-Staat sieht seine zukünftige ökonomische Bündnisperspektive nicht in der Zollunion zwischen Kasachstan, Russland und Weißrussland und der daraus im Entstehen begriffenen Eurasischen Union. Allerdings ist auch eine EU-Perspektive für die Kaukasusrepublik nicht attraktiv, da diese sich diesbezüglich an der Türkei orientiert und die entsprechenden Herausforderungen und Hindernisse Ankaras in Hinblick auf die EU-Vollmitgliedschaft kritisch beobachtet werden. Aufgrund des Ressourcenreichtums ist die Regierung in Baku nicht auf die finanziellen Transfers aus Brüssel, im Gegensatz zu Armenien und Georgien, angewiesen.

Georgien, in dem vor zehn Jahren während der Rosenrevolution und der damit verbundenen Machtübernahme von Michail Saakaschwili ein rasanter wirtschaftlicher Aufschwung durch eine Radikalprivatisierung, Liberalisierung des Marktes und der dadurch erfolgten ausländischen Kapitalzuflüsse begann, ist bedingt durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und des verlorenen Augustkrieges gegen Russland der wirtschaftlich und sicherheitspolitisch größte Verlierer der drei südkaukasischen Staaten.

Armenien hat sich durch die Besetzung aserbaidschanischen Territoriums isoliert und ist maßgeblich wirtschaftlich von Russland, aber auch dem Iran abhängig und wird von allen bedeutenden regionalen Infrastrukturprojekten ausgeschlossen. Nichtdestotrotz hat das Land die Chance, bei einer Bereitschaft zur Lösung des territorialen Problems von Berg-Karabach, zu der der frühere Präsident Levon Ter-Petrosjan in Ansätzen bereit gewesen ist, vom Wirtschaftsboom in Aserbaidschan in verschiedener Weise zu profitieren und aufgrund seiner zentralen Lage im Südkaukasus eine bedeutendere Rolle zu spielen.

Quellen

Abbildung 1 : http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Don-kun; http://en.wikipedia.org/wiki/de:Creative_Commons; http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

Abbildung 2: http://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons; http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

 


[1] Transparency International berichtet von Fortschritten Aserbaidschans beim Kampf gegen die Korruption. Bei einer repräsentativen Umfrage, die von Transparency International in Aserbaidschan durchgeführt wurde, haben sich ca. 70 Prozent der befragten aserbaidschanischen Bürger positiv über die Maßnahmen der Regierung zur Korruptionsbekämpfung geäußert: So halten 20 Prozent der Befragten diese Maßnahmen der Regierung für sehr effektiv und 49 Prozent für effektiv. Im aktuellen Bericht fällt positiv auf, dass der Anteil, der mit den Regierungsmaßnahmen zufriedenen Bürger in Aserbaidschan um das Dreifache höher als das Durchschnittsniveau anderer Länder ist. Darüber hinaus meinen ca. 73 Prozent der Bevölkerung Aserbaidschans, dass das Korruptionsniveau im vergangenen Jahr nicht höher geworden sei. Diese Einstellung der aserbaidschanischen Befragten unterscheidet sich vorteilhaft von der weltweit überwiegend negativen Tendenz in der Korruptionsperzeption. Denn ca. 50 Prozent der weltweit befragten Personen glauben, dass sich das Korruptionsniveau im vergangenen Jahr verdoppelt hat. Der Abteilungsleiter der Präsidialverwaltung für die Kooperation mit den Rechtsschutzorganen Fuad Alaskarov sieht den Bericht von Transparency International als Bestätigung der Erfolge der Regierungspolitik bei der Korruptionsbekämpfung. Die Erweiterung der Initiative „E-Government“, die Einführung der elektronischen Dienstleistungen für Bürger und Hotlines gegen Korruption sowie die Gründung der staatlichen bürgerfreundlichen Dienstleistungszentren „ASAN“ und die Schaffung der neuen Verwaltungsprinzipien, die die Korruption ausschließen und zur Erhöhung der Transparenz durch die Reformen in den staatlichen Behörden beigetragen haben, führten zu diesem Erfolg, so Alaskarov. Der Bericht von Transparency International ist unter folgendem Link abrufbar: http://www.transparency.org/gcb2013/report.

[2] Es gibt unterschiedliche Angaben zum peak oil in Aserbaidschan. Einige Experten, wie Dr. Vusal Gasimli, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsanalyse des Zentrums für Strategische Studien der Kanzlei des Präsidenten der Republik Aserbaidschan, gehen davon aus, dass Erdölproduktion erst ab 2015 sinken wird.

[3] Gespräch mit Dr. Vugar Bajramow, Vorsitzender des Think Tanks Center for Economic and Social Development (CESD) am 22. August 2013 in Baku.

[4] Gespräch mit Prof. Dr. Rowschan Ibrahimow, Leiter der Abteilung Außenpolitik und politische Analyse des Zentrums für Strategische Studien der Kanzlei des Präsidenten der Republik Aserbaidschan, am 21. August 2013 in Baku.

[5] Präsident Ilham Alijew verfügte Anfang d. J. die Einrichtung einer Universität für Informationstechnologien. Zudem ist 2013 das Jahr der Informations- und Kommunikationstechnologien. Darüber hinaus hat das Land erfolgreich einen ersten Telekommunikationssatelliten im Weltall disloziert. Erneuerbare Energien in Aserbaidschan sind hauptsächlich off shore Windanlagen im Kaspischen Meer. Bis 2012 wurden insgesamt 1,5 Milliarden USD in diesem Sektor investiert. Am Ende dieser Dekade sollen es 10 Milliarden USD sein. Das Jahr 2011 wurde in Aserbaidschan zum „Jahr der Tourismuswirtschaft“ ausgerufen, ein Neuanfang für den Tourismus des Landes sowie für die Positionierung der Hauptstadt als Event Ort für Großereignisse aus Kultur, Wissenschaft und Sport sowie Wirtschaft und Politik. Nach dem aserbaidschanischen Sieg beim Grand Prix Eurovision de la Chanson in Düsseldorf 2011 stand Baku vor einer großen Herausforderung, da bis dahin noch keine Großveranstaltung dieser Dimension stattgefunden hatte. Das Land hat innerhalb eines Jahres dieses Problem bestens gelöst. Die Mehrzweckhalle Chrystal Hall wurde für 25.000 Besucher errichtet und die entsprechende Infrastruktur wurde modernisiert. Obwohl westliche Medien, insbesondere aus Deutschland und Großbritannien, diesen Prozess kritisierten, wurde der Lieder-Wettbewerb professionell zur Zufriedenheit in- und ausländischer Besucher organisiert. Anschließend wurde der Veranstaltungsort für Konzerte von Jennifer Lopez, Rihanna und Shakira genutzt. Durch das moderne, von der Stararchitektin Zaha Hadid entworfene, Hejdar-Alijew-Zentrum ist Baku seit 2012 Ort von politischen und wirtschaftlichen Konferenzen von Weltrang. So tagten 2012 das Crans Montana Forum und 2013 das Weltwirtschaftsforum Davos in Baku.

[6] Für detailliertere Informationen zum Norwegischen Petroleum Fonds siehe www.nbim.no.

[7] Gespräch mit Israfil Mammadow, Chief Investment Officer, und Ziya Kangarli, Stellvertretender Direktor des Risk Managements von SOFAZ am 20. August 2013 in Baku.

[8] Gespräch mit Dr. Elnur Soltanow, Leiter des Kaspischen Zentrums für Energie und Umwelt der Diplomatischen Akademie Aserbaidschans (ADA) am 21. August 2013 in Baku.

[9] Für detaillierte Informationen zu diesem Projekt siehe unter http://www.marmaray.com/.

[10] Gespräch mit Dr. Vusal Gasimli, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsanalyse des Zentrums für Strategische Studien der Kanzlei des Präsidenten der Republik Aserbaidschan, am 19. August 2013 in Baku.

[11] Vortrag von Hanns-Eberhard Schleyer, Staatssekretär a.D., Vorsitzender des Deutsch-Aserbaidschanischen Forums e.V., vor Mitgliedern des Wirtschaftsrates der CDU am 23. September 2013 in Berlin.

[12] Vgl. Aserbaidschan aktuell. Wirtschaftsinformationsdienst der Zeitschrift Ost-West-Contact zu Aserbaidschan, Ausgabe 2-2013, Berlin 2013, S.3.

[1] Dabei handelt es sich überwiegend um Großunternehmen aus dem fossilen Energiesektor.

17
Okt

Leipzig 1813 – Ein großer Jahrestag

Vor der Niederlage Preußens gegen Frankreich im Herbst 1806 hatte sich Napoleon noch mit der Rheingrenze zufrieden gegeben.

Rheinbund_1806,_political_map

In den Jahren danach verleibte sich Frankreich die gesamten Niederlande und Nordwestdeutschland bis Lübeck ein, hinzu kamen beispielsweise noch Rom, Barcelona oder Triest.

Rheinbund_1812

Die beiden europäischen Flügelmächte Großbritannien und Russland waren noch nicht bezwungen. Darum griff Napoleon im Juni 1812 Russland ohne die damals noch übliche Kriegserklärung an. Die sogenannte „Grande Armeé“ umfasste 610.000 Mann. Sie bestand nur zu etwa einem Drittel aus Franzosen. Zwangsrekrutierte Deutsche dürften ähnlich stark vertreten gewesen sein. Sie kamen entweder aus den Rheinbundstaaten oder Gebieten Deutschlands, die in den vorhergehenden 20 Jahren von Frankreich annektiert worden waren.

Im folgenden halben Jahr fielen zehntausende Soldaten Napoleons in Russland Schlachten zum Opfer, hunderttausende aber starben an Seuchen wie der Ruhr oder Unterernährung. Bereits in den ersten sechs Wochen nach dem Überfall desertierten 50.000 Mann der „Grande Armeé“. Die nach Nahrung umherirrenden Soldaten Napoleons wurden großenteils von der russischen Bevölkerung getötet, die unter rücksichtslosen Requirierungen zu leiden hatte. Etwa ein Drittel der Bevölkerung Weißrusslands kam zwischen Juni und Dezember 1812 ums Leben, ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg.

Folie3

Es ist umstritten, wie viele Soldaten Napoleons die Katastrophe überlebten. Die Zahlen schwanken zwischen 5.000 und 81.000. Von den 2.000 Mecklenburgern kamen 59 zurück, von den 30.000 Bayern schafften es lediglich 68 kampffähige Soldaten über die polnische Grenze.

In den folgenden Monaten wagten Preußen und Österreich mit russischer Unterstützung, Napoleon offen herauszufordern. Am 14. Oktober 1813 begann die Völkerschlacht bei Leipzig. Mit etwa 600.000 beteiligten Soldaten handelte es sich um die bis dahin größte Schlacht der Weltgeschichte. Russen stellten das größte Kontingent der Koalitionstruppen.

Der 18. Oktober war der entscheidende Tag, vor genau 200 Jahren. Napoleon wurde entscheidend geschlagen. Mit hohen Kosten: Preußen hatte 16.600 Tote und Verwundete zu beklagen und Österreich 14.400.

Folie4

Für die  21.860 russischen Leipzig_Russische_Gedaechtniskirche

Opfer wurde 1913 die

Gedächtniskirche errichtet.

Die französischen Verluste

beliefen sich auf 38.000 Tote

und Verwundete.

Napoleon konnte mit lediglich

100.000 Mann aus Deutschland

abziehen. Sein Ende stand bevor.

In der Silvesternacht von 1813/14

überschritt die preußische Armee

den zugefrorenen Rhein bei Kaub.

Folie6

Nach Jahrzehnten der Kriege begann eine lange Friedenszeit. Sie war allzu oft zutiefst unbefriedigend, aber es mussten nicht mehr Millionen für die „Gloire“ sterben.

Quellenangaben:

Abb. 1: ziegelbrenner; http://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons; http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Abb. 2: ziegelbrenner; http://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons; http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Abb. 3: http://www.pinakoteka.zascianek.pl/Suchodolski/Images/Berezyna.jpg

Abb. 4: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0c/Leipzig_am_19._Oktober_1813_001.jpg

Abb. 5: Dirk Goldhahn; http://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons; http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.en

Abb. 6: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/9a/Wilhelm_Camphausen_-_Bluechers_Rheinuebergang_bei_Kaub.png

17
Okt

Kolumne Dornfeldt: Die Wirtschaftsentwicklung Armeniens und Georgiens

Die Republik Armenien ist das kleinste und ärmste Land des südlichen Kaukasus.[1] Konnte zwischen 2000 und 2008 ein rasantes Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1912 Millionen USD auf 11.662 Millionen USD verzeichnet werden, schwächte sich dieses aufgrund der globalen Wirtschaft- und Finanzkrise ab und erreichte bis heute nicht den Stand des Jahres 2007. Die Armutsrate liegt seit 2009 im Durchschnitt bei 35 Prozent.[2]

Zudem hatte die Abkühlung der russischen Wirtschaft einen spillover Effekt auf die Ökonomie Armeniens. Das Land ist nach wie vor abhängig von russischen Direktinvestitionen, die bereits signifikante Teile des armenischen Energiesektors kontrollieren. Ungefähr die Hälfte aller ausländischen Investitionen kommt somit aus Russland.[3] Darüber hinaus erhält die kaukasische Republik Wirtschafts- und Militärhilfe aus Moskau, was es der aus Berg-Karabach stammenden Führungselite in Jerewan um Präsident Sersch Sarkisjan und Ex-Präsident Robert Kortscharjan ermöglicht, das Gebiet sowie sieben weitere angrenzende aserbaidschanische Verwaltungseinheiten völkerrechtswidrig besetzt zu halten. Deswegen wird Armenien von regionalen Infrastrukturprojekten ausgeschlossen[4], unterliegt Wirtschaftssanktionen von Seiten des Aserbaidschan und der Türkei, die auch ihre Grenzen zum Land seit 1993 geschlossen halten.

Seit 2012 bemühte sich die Regierung Armeniens um eine engere Anbindung an die EU und die Institutionen in Brüssel würdigten die schnelle Implementierung von geforderten Maßnahmen, was dazu führte, dass das Assoziierungs- und umfassende Freihandelsabkommen zwischen der EU und Armenien Ende November 2013 beim Gipfel der Östlichen Partnerschaft im litauischen Vilnius hätte unterzeichnet werden können. Stattdessen wendet die Regierung in Jerewan der EU-Anbindung den Rücken zu und wird der Zollunion zwischen Kasachstan, Russland und Weißrussland beitreten. Die Präsidenten Armeniens und Russlands gaben bei einem Treffen am 3. September 2013 in Moskau eine diesbezügliche Erklärung ab. Zudem wird Armenien auch an der Bildung der Eurasischen Wirtschaftsunion teilnehmen. Dadurch begibt sich das Land in eine noch engere Abhängigkeit von Russland, wo auch der Großteil der armenischen Arbeitsmigranten im Ausland lebt und durch enorme Geldtransfers in das Heimatland die lokale Wirtschaft stimulieren.

Folie1

Georgien hat seit seiner Unabhängigkeit von UdSSR turbulente Zeiten durchlebt: Einen Bürgerkrieg, kontinuierliche interethnische Spannungen, schwache Zentralregierungen und einen Präsidenten, der das Land in einen Krieg mit Russland führte, bei dem zwei Gebiete seines Staatsterritoriums endgültig der Kontrolle der Regierung in Tbilissi entglitten.

Seit dem Amtsantritt der Regierung Saakaschwili vor knapp zehn Jahren wurden staatliche Institutionen konsolidiert, die Infrastruktur des Landes modernisiert sowie der Zugang der Bevölkerung zu öffentlichen Gütern erleichtert. Zudem begannen die öffentliche Verwaltung sowie die Versorgung mit Elektrizität und Wasser wieder zu funktionieren. Darüber hinaus wurden umfassende Wirtschaftsreformen durchgeführt, die dem Land ein ansehnliches wirtschaftliches Wachstum und einen hohen Zufluss an dringend benötigten ausländischen Direktinvestitionen bescherte. Im Zeitraum zwischen 2005 und 2007 war ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um jährlich ca. zehn Prozent zu verzeichnen. In dieser Zeit gab es auch eine radikale Privatisierung staatlicher Unternehmen und anderer Vermögenswerte sowie eine neoliberale Marktderegulierung. Allerdings wurde die georgische Volkswirtschaft dadurch anfällig für externe Konjunkturschwankungen.

Das Jahr 2008 stellte dann eine Zäsur da. Durch die beginnende Weltwirtschaftskrise und den Augustkrieg zwischen Georgien und Russland endete das hohe inländische Wachstum. Das Resultat war eine enorme Zerstörung der Infrastruktur, Flüchtlingsströme aus Abchasien und Südossetien, die es zu versorgen galt und gilt, Vertrauensverlust der Kapitalmärkte in das Land und ein dadurch resultierendes schlechtes Investitionsklima. Die inländische Kreditvergabe stockte, so dass die Investitionen und der Binnenkonsum einbrachen. Ein 4,5 Milliarden USD umfassendes Hilfspakt internationaler Geber, das 2008 auf den Weg gebracht wurde, verhinderte den ökonomischen Zusammenbruch des Landes. Weniger als ein Viertel der Bevölkerung galt damals als arm, Tendenz steigend.

Das aserbaidschanische staatliche Erdöl- und Erdgasunternehmen SOCAR ist der größte ausländische Steuerzahler in Georgien. Somit ist Aserbaidschan auch im Ausland zu einem immer bedeutenderen Investor geworden.

Quelle der Abbildung: http://memory.loc.gov/cgi-bin/image-services/jp2.py?data=/home/www/data/gmd/gmd7/g7430/g7430/ct000916.jp2&res=1

[1] Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) betrug das nominale BIP Armeniens im Jahr 2012 10.551 Millionen USD (Rang 126), wohin gegen es für Georgien 15.803 Millionen USD (Rang 113) und für Aserbaidschan 71.043 Millionen USD (Rang 65) betrug.

[2] Die Daten für 2012 liegen noch nicht vor. 2009 betrug die Armutsrate 34,1 Prozent, 2010 35,8 Prozent und 2011 35 Prozent. Nationaler Statistischer Dienst der Republik Armenien.

[3] Mit mehr als drei Milliarden USD machen russische Kapitalanlagen fast die Hälfte der ausländischen Direktinvestitionen in der kaukasischen Republik aus. Der russische Energiekonzern Gazprom wirkt am Bau der Erdgasleitung zwischen Armenien und dem benachbarten Iran mit und die Modernisierung des Wasserkraftwerkes am Rasdan-Fluss wird von der Firma Inter RAO EES durchgeführt. Der Warenumsatz zwischen beiden Ländern stieg 2012 zudem um 22 Prozent auf mehr als 1,2 Milliarden USD.

[4] Die für 2014 geplante Fertigstellung der Eisenbahnverbindung Baku-Tbilissi-Kars hätte kürzer und kostengünstiger gebaut werden können, wäre sie über das Territorium Armeniens verlaufen.

13
Okt

Russlands Bevölkerungsentwicklung – Aktuelle Tendenzen

Während der ersten sieben Monate dieses Jahres stieg die Anzahl der Geburten um annähernd ein Prozent, die Anzahl der Todesfälle sank um etwa denselben Wert. Bei einer Fortschreibung dieser Entwicklung kann man mit einem natürlichen Bevölkerungswachstum von etwa 20.000 Menschen gerechnet werden. Das ist ein europäischer Rekordwert. Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre setzt sich also fort. Zwischen 1993 und 2006 sank die Bevölkerung Russlands hingegen – wenn man von der Aus- bzw. Einwanderung absieht – jährlich zwischen 700.000 und fast 1.000.000 Menschen.

Folie1

2013 wird es gut 1,9 Millionen Geburten in Russland geben. (In Deutschland werden es deutlich weniger als 700.000 sein.)

Ich möchte einen Faktor herausgreifen, der zu dieser positiven Entwicklung beitrug (auf andere bin ich in meinem Blog vom 24.09.2012 eingegangen): Der großen Mehrzahl der Todesfälle liegen weltweit sogenannte natürliche Todesursachen wie schwere Erkranken zugrunde. Daneben gibt es die Gruppe der sogenannten nicht-natürlichen Ursachen. Darunter werden Suizide, Morde, Ertrinken, Vergiftungen, Verkehrsunfälle und anderes zusammengefasst.

Folie2

Im vergangenen Jahrzehnt sanken die durch nicht-natürliche Ursachen hervorgerufenen Todesfälle um etwa 40 Prozent. Falls die nicht-natürlichen Ursachen derzeit auf demselben Stand wären wie 2003 würden in diesem Jahr etwa 140.000 Menschen mehr sterben.

Kommen wir zu den Problemen: In Russland starben auch in der Vergangenheit deutlich mehr Menschen an nicht-natürlichen Ursachen als in den Ländern Mittel- oder Westeuropas. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein brannten jährlich beispielsweise zehntausende Holzhäuser und ganze Dörfer ab, mit entsprechenden Opferzahlen. Heutzutage fordern Kabelbrände veralteter Elektroleitungen oder Verkehrsunfälle aufgrund schadhafter Autos deutlich mehr Menschenleben als etwa hierzulande. Selbst wenn sich die in der Graphik illustrierte Entwicklung auch in den kommenden zehn Jahren mit unverminderter Geschwindigkeit fortsetzt, werden in Russland (pro 100.000 Einwohner) noch etwa doppelt so viel Menschen eines nicht-natürlichen Todes sterben wie in Deutschland.

Zudem werden in Zukunft nicht mehr die geburtenstarken Jahrgänge der 1970er und 1980er Jahre, sondern die geburtenschwachen zwischen 1991 und etwa 2010 die Anzahl der möglichen Geburten determinieren. Selbst wenn Geburtenzahl pro Frau wie mit einer Rate wie in den vergangenen Jahren steigen sollte, wird Russlands Bevölkerung in wenigen Jahren wieder zu schrumpfen beginnen. Ein möglicher Ausweg wäre eine steigende Zuwanderung. Nach UN-Angaben ist Russland nach den USA weltweit das zweitwichtigste Zielland von Migranten, Deutschland liegt an dritter Stelle.

Quellenangaben:

Graphik 1: http://b-i.forbesimg.com/markadomanis/files/2013/07/Natural-Population-Growth-1990-2013.png

Graphik 2: http://b-i.forbesimg.com/markadomanis/files/2013/07/External-Mortality-1991-2013.png


 

 

8
Okt

Kolumne Dornfeldt – Die Wirtschaft im Südkaukasus

Die drei Staaten des Südkaukasus bilden eine geostrategisch bedeutende Brücke zwischen Europa und Asien. Am Schwarzen und Kaspischen Meer gelegen, an wichtige Regionalmächte, wie die Russische Föderation im Norden, die Türkei im Westen und die Islamische Republik Iran im Süden angrenzend, ist die Region für die Verbindungen innerhalb Eurasiens von enormer Bedeutung. Besonders wichtig ist der Südkaukasus für die landumschlossenen zentralasiatischen Republiken als Transitgebiet zu den westlich gelegenen Meeren.
In den Fokus der Weltpolitik geriet das Gebiet des südlichen Kaukasus in der Spätphase der UdSSR Ende der 1980er Jahre. Zum einen erfolgte dies durch die gewaltsam ausgetragenen interethnischen Konflikte um das zur aserbaidschanischen Unionsrepublik gehörende Gebiet Berg-Karabach sowie um die von Georgien abtrünnigen Teile Abchasien und Südossetien. Keiner der drei sogenannten frozen conflicts ist bis heute gelöst worden und prägt das Handeln der politischen Akteure in den drei Republiken maßgeblich. In Aserbaidschan beispielsweise leben heute eine Millionen Flüchtlinge aus Armenien, aus dem Kerngebiet von Berg-Karabach sowie aus den angrenzenden Territorien, die unter Kontrolle der Streitkräfte Armeniens stehen.

2000px-Caucasus-political_de.svg

Zum anderen sind es die großen Vorkommen an Erdöl und Erdgas, die sich auf dem Territorium von Aserbaidschan befinden. Diese fossilen Energieträger sind bedeutend für die Diversifizierungsmaßnahmen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in Bezug auf die Erdgasimporte und für die Versorgung des globalen Erdölmarktes.

Folie3

Aserbaidschan ist derzeit das wichtigste Lieferland für den „Südlichen Energiekorridor“, dessen Bedeutung stetig zunimmt.

Georgien, Armenien und Aserbaidschan waren bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise durch hohe Wachstumsraten geprägt. In einem dieser Jahre konnte die Regierung in Baku mit 34 Prozent das weltweit höchste Wachstum verzeichnen. Diese Indikatoren sind Ausdruck eines gelungenen Transformationsprozesses in der Region. Alle drei Länder sind mittlerweile Mitglied des Europarates und der Östlichen Partnerschaft im Rahmen der EU-Nachbarschaftspolitik. Seit 2009 ist nun die Phase des wirtschaftlichen Aufstieges vorbei oder hat sich, wie im Fall des Aserbaidschans, etwas abgemildert. Armenien und Georgien haben aufgrund diverser Ereignisse mit einem ökonomischen Abschwung zu kämpfen, der zudem Auswirkungen auf die politische, soziale und sicherheitspolitische Situation in diesen Ländern hat. Aserbaidschan hingegen, das immerhin noch überdurchschnittliche Wachstumsraten vorzuweisen hat, befindet sich in einem Prozess, die Wirtschaft stark zu diversifizieren, um für die Zeit nach dem Öl Boom vorzusorgen. Dazu dient auch der Nationale Petroleum Fonds SOFAZ, der nach norwegischem Vorbild eingerichtet wurde und sich aus den staatlichen Einnahmen in Bezug auf fossile Energieträger speist.

In der Studie wird die wirtschaftliche Entwicklung der drei südkaukasischen Staaten im Zeitraum von 2003 bis 2013 analysiert. Neben zwei Kurzporträts zu den Ländern Armenien und Georgien liegt der Schwerpunkt des Berichtes auf der Länderanalyse Aserbaidschan, mit dem eindeutig stärksten und modernsten Wirtschaftssektor in der Region.

Anmerkung von Christian Wipperfürth: In den folgenden Tagen werden folglich noch zwei Kolumnenbeiträge folgen.

Quellenangabe der Abbildungen:

1. Karte: Don-kun, Lizenz: Creative CommonsAttribution-Share Alike 3.0 Unported  / Kurz

2. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/4/4b/BTC-Pipeline.png

 

8
Okt

Kolumnist Matthias Dornfeldt

Bislang wurden sämtliche Beitrage auf dieser Seite von mir verfasst. Zwischen Sommer 2012 und Sommer 2013 habe ich durchschnittlich drei Beiträge pro Monat ins Netz gestellt. In den vergangenen Monaten waren es vier bis fünf. Und diese Rate wird in Zukunft noch etwas ansteigen, denn ich habe mit Matthias Dornfeldt einen regelmäßigen Gast-Autoren für diese Seite gewinnen können. Sie werden seine Beiträge unter der Kategorie „Kolumne Dornfeldt“ finden.

Kurz einige Stichworte zu seiner Vita:

Matthias Dornfeldt, Jahrgang 1973, Studium der Politikwissenschaft in Berlin, Coimbra und Potsdam, PassfotoDornfeldtNach Studienabschluss Tätigkeiten für das Auswärtige Amt sowie VN, OSZE, Europarat und IOM. 2007 Programmdirektor der Körber-Stiftung, 2009-2011 Senior Program Officer des Aspen Institutes Deutschland. Seit 2012 Dozent und Gastwissenschaftler am Berliner Zentrum für kaspische Regionalstudien (BC CARE) der FU Berlin. Forschungsschwerpunkte: Energiepolitik, Außenpolitik und Diplomatie. Regionalexpertise: Norwegen, Russland, Kaspischer Raum sowie Südosteuropa.

 

7
Okt

Radiointerview

Bei dem 14minütigen Interview bei der „Stimme Russlands“ ging es sowohl um grundsätzliche als auch um aktuelle Fragen. Den Beitrag finden Sie hier.

 

 

Nächste Seite »