Archiv für Mai 2017

11
Mai

Überraschend glückliches Russland

Die UNO misst seit einigen Jahren, wie glücklich die Bevölkerung der Länder der Erde ist. Wie schneiden Russland und seine Nachbarn ab?

Die Wirtschaftskraft der Länder wird seit langem gemessen, nunmehr, als Ergänzung, also auch das „Glück“. Der „Glücksindex“ wird im Auftrag der UN-Vollversammlung erhoben.

Im neuesten Index von 2017 rangieren die skandinavischen sowie die deutschsprachigen Länder ganz vorn, was vielleicht zu erwarten war, weil es in den Jahren zuvor ähnlich aussah. Aber auch Costa Rica (Platz 12) oder etwa Guatemala (Platz 29) belegen vordere Ränge, bspw. vor Spanien (34.).

Russland lag 2015 auf dem 64. Platz, 2017 auf dem 49. – und somit vor Japan (51.) oder Portugal (89.). Die Ukraine weist mit der 132. Stelle den schlechtesten Wert aller postsowjetischen Staaten auf. 2015 war es noch der 111. Nur sechs Länder haben ihre Platzierung in den Jahren zwischen 2005-07 und 2014-16 stärker verbessert als Russland. Im selben Zeitraum gibt es nur vier Länder die im Index noch stärker zurückrutschten als die Ukraine.

 

Sie finden den „Glücksindex“ unter : http://worldhappiness.report/ed/2017/

Quelle der Karte: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/4/4f/World_map_of_countries_by_World_Happiness_Report_score_%282017%29.svg/1280px-World_map_of_countries_by_World_Happiness_Report_score_%282017%29.svg.png

https://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain

3
Mai

Buchempfehlung: Deutschland und Russland – wie weiter?

Die beiden Autoren sind politische Insider, dies macht ihr Buch lesenswert.

Wolfgang Gehrke ist für die Linkspartei Mitglied des Deutschen Bundestags, Christiane Reymann langjährig politisch aktiv. Das Buch ist dann besonders lesenswert, wenn über die unterschiedlichen russlandpolitischen Ansätze der deutschen Parteien berichtet wird. So schreiben die beiden Autoren ausführlich über das „Positionspapier Russland“ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vom Jahresende 2016, die Haltung der SPD und der Linkspartei hierzu und wiederum der Reaktion der Union auf die politische Konkurrenz (33-40). Diese höchst instruktiven und bezeichnenden Informationen von Insidern findet man sonst nicht. Ähnliches gilt für die Kontroverse im Bundestag über die Sanktionspolitik (84/85).

Die Autoren sehen Deutschland in der Russlandpolitik zu sehr auf US-Linie. Die Verantwortung für die angespannten westlich-russischen Beziehungen trage die euro-atlantische Welt (11). Hierfür nennen die Autoren zahlreiche Belege. Ihr inhaltsreiches Buch wendet sich letztlich an diejenigen, die einer Verständigungspolitik mit Russland zuneigen.

Sie beleuchten etwa die Hintergründe der deutschen Medienberichterstattung (93-110), die Geschichte Russlands in den 1990er Jahren (111ff) oder etwa die jüngste Entwicklung der Ukraine (139-68). Die innenpolitischen Schwächen, Probleme oder auch Fehlentwicklungen Russlands werden nur am Rande angesprochen (etwa 123). Ein möglicher Zusammenhang zwischen der russischen Innen- und Außenpolitik wird nicht gezogen, ja nicht einmal thematisiert. Dies wäre jedoch wünschenswert gewesen, um auf Argumente von „Russlandkritikern“ einzugehen und diese ggf. zu entkräften.

Das Buch besitzt eine ansprechende Sprache und verzichtet auf Worthülsen und Redundanzen, die in zahlreichen anderen Büchern überhand nehmen.

Vielleicht könnten die beiden Autoren in Zukunft ihre Trümpfe ausspielen und in einem weiteren Buch intensiver über die russlandpolitischen Kontroversen im Bundestag berichten – oder in ihrer Linkspartei.

 

Wolfgang Gehrke/Christiane Reymann, Deutschland und Russland – wie weiter? Der Weg aus der deutsch-russischen Krise, Berlin 2017, 9,99 €